Zürich

12. European Foodservice Summit mit Teilnehmerrekord und wegweisenden Botschaften

Dauergäste wie Newcomer waren sich einig: Die 12. Ausgabe des European Foodservice Summit bot bestes Brainfood to go und Networking-Gelegenheiten vom Feinsten. Abermals Full House bis zum Anschlag in der Event-Location Lake Side Casino Zürichhorn. Zum Top-Event, in diesem Jahr mit Stargast Howard Schultz, versammelten sich vom 19. bis 21. September mehr als 260 Spitzenmanager und Unternehmer der internationalen Profi-Gastronomie aus 27 Nationen, mehr als die Hälfte zum wiederholten Mal dabei. Ein grenzüberschreitendes Familientreffen der Branche – und ein Lern-Event allererster Güte.

Die gemeinsamen Veranstalter – FoodService Europe & Middle East, das Gottlieb Duttweiler Institute (GDI) und die Boston University – haben den diesjährigen Summit unter das Motto 'Facing the Winds of Change' gestellt. Und spannende Inspiration für das Segeln hart am Wind und das Navigieren in stürmischen Zeiten lieferten beispielhafte Case Studies ebenso wie handfeste Analysen, hochklassige Diskussionsrunden und wegweisende Trendbetrachtungen.

So klar wie selten kristallisierten sich in den Beiträgen der Referenten wiederholt die gleichen Key-Words heraus: Authentizität. Vertrauen. Zuneigung, ja Liebe. Local Relevance. Und: die mediale Revolution - Stichwort Social Media - als Transformator nicht nur von Kommunikationsstrategien, sondern ganzer Business-Modelle. 

Das Referentenaufgebot: ein spannender Mix aus renommierten Branchenplayern wie - allen voran – Starbucks-Gründer Howard Schultz oder Ivan Schofield, GM von KFC Frankreich, aus jungen Startup-Unternehmern wie Nadine Beshir, GM der in Ägypten gestarteten Kaffebar-Formel Cilantro, nebst Experten benachbarter Disziplinen wie Media-Spezialist Douglas Rushkoff aus den USA oder Lord Sebastian Coe, Chef des Organisationskomitees der nächsten Olympischen Spiele in London. Erstmals übrigens standen dies Jahr in Zürich gleich vier weibliche Referenten auf der Bühne – und haben ihre Sache überragend gut gemacht: bedeutsame Rekordmarke in der Geschichte des Summit. Erstmals standen Key-Speaker wie Howard Schultz, Ivan Schofield und Nadine Beshir im Anschluss an ihre Vorträge Branchen-Profis Rede und Antwort: überaus spannend die Dialoge mit Chris Muller (Schultz), Rostislav Ordovsky-Tanaevsky Blanco (Schofield) und Henry McGovern (Beshir).

Und erstmals wurde ein Culinary Excellence Award vergeben. Verdiente Auszeichnung für Marché International - längst legendärer Caterer bei der Bootsfahrt auf dem Zürichsee zum Ausklang des ersten Kongresstages. Die Leistung des Marché-Teams unter Führung von CEO Oliver Altherr: einzigartig in Sachen Qualität und Kreativität, ein Vergnügen ohnegleichen, fachlich inspirierend und definitiv ein nicht wegzudenkendes Highlight in der Gesamtarchitektur des Top-Events. Frische mit Freude und Leidenschaft inszeniert: vom grünen Gewächshaus über an Bord gefertigte Pasta bis zum frisch geangelten und sogleich an Deck geräucherten Seefisch zog und zieht Marché alle Register, um seine Philosophie erlebnisträchtig in die Tat umzusetzen: Chapeau!

Content-Highlights? Gleich zu Beginn nahm Dr. David Bosshart, Chef des GDI, die Zuhörer mit auf eine Reise 'Towards a new Mindset'. Für den Wissenschaftler und Trendforscher steht fest: Die nächsten drei Jahre werden mehr Veränderungsdruck bringen als die vergangenen drei Dekaden. Mobilität, Vernetzung und Flexibilität werden die vorherrschenden Themen sein, das Phänomen Stress allgegenwärtig – für Menschen, Unternehmen, Staaten. Bosshart beschwor das Bild der 'App City' herauf: schnell, einfach, durch visuelle Informationen geprägt – Icons statt Schrift. Die neuen Technologien werden das Verhalten der Verbraucher massiv verändern, darauf gilt es sich einzustellen. „All businesses are being pushed and transformed by software!” Märkte verändern sich dramatisch, so Bossharts These, und werden Diskussionsräume. Das Denken in Marktanteilen wird ergänzt, wenn nicht abgelöst durch „time share, link share, trust share, mind share“. Zugleich prophezeite der GDI-Chef das Ende des globalen Wachstums-Hypes – eng verbunden mit dem industriellen Zeitalter. Dessen Tage sind für Bosshart gezählt, stattdessen proklamierte er „the age of less“.

Ähnlich wie Bosshart die neue 'Real Time Economy' charakterisierte, nämlich geprägt durch „instant gratification and immediate relief“, beschrieb Chris Muller die Befindlichkeit heutiger Konsumenten: „A must-have mindset in a not-now reality.“ Auch Muller zufolge sind wir mitten in einem Paradigmawechsel. Vorbei der Glaube an endlos erweiterbare Optionen, an die unbegrenzt wachsende Verfügbarkeit von Gütern aller Art. Schon jetzt gilt nicht mehr: Big is Good!, schwindet das Vertrauen in Institutionen und große Corporations. Verbraucher suchen Zuflucht in der Nähe: Local sourcing. Paralleles Phänomen: die Renaissance des DIY. Dazu passt der Erfolg von Food Trucks, Flash Restaurants – spontan, improvisiert, unmittelbar. Aber auch der wachsende Zuspruch zu Food Markets oder Marktrestaurants, Stichwort Überschaubarkeit.

„A sale is a relationship, not a transaction – even in quickservice“, nahm Gretel Weiß den Faden auf. Die Herausgeberin FoodService Europe & Middle East präsentierte die europäischen Top 99 Restaurantgruppen und ihre Umsätze 2010, erstmals ohne Hotelgastronomie – ein zu undurchsichtig gewordenes Feld.

2010 verbuchten die Top 99 mehr als 81 Mrd. EUR Umsatz – ein Zuwachs von 4,5 % zum Vorjahr, und zwar bereinigt um die aussortierten Hotel-Namen. Damit stehen die 99 Top-Player grob geschätzt für rund 20 % des gesamten Marktvolumens in Europa. Mehr als die Hälfte der Top 99-Erlöse entfällt auf die 10 Größten des Rankings - McDonald’s mit deutlichem Abstand vorneweg.

Was die Referentin dem Publikum noch mit auf den Weg gab: „Boundaries are collapsing. There are less and less boundaries between retail and restaurants, online and offline, city and countryside, local andexotic cuisines, main meals and snacks, eating and drinking. Markets are becoming more fluid.” Und auch die Grenzen zwischen Käufer und Verkäufer lösen sich auf. “The buyer wants more attention from the seller. Social media shows everything. It’s user-generated content.” Integration, Dialog statt Monolog: Das Open-Source Gedankengut der digitalen Welt hält Einzug in die Wirklichkeit – auch in unserer Branche.

Sinnvolle Nutzung der neuen Medien: auch für Star-Referent Howard Schultz ein Schlüsselmoment künftigen Erfolgs. Sein mit Spannung erwarteter Vortrag war weit mehr eindringlicher Appell denn Resumee eines geglückten Turnarounds.

„Wenn Ihr Unternehmen immer noch ausschließlich auf traditionelle Vertriebswege setzt, investieren Sie Ihr Geld nicht klug.“ Im gleichen Atemzug warnte der Unternehmer, dessen Marke zu den weltweit beliebtesten in sozialen Netzwerken zählt: „Facebook, Twitter & Co. sind keine reinen Verkaufkanäle. Vielmehr unentbehrlich, um emotionale Beziehungen und Vertrauen des Konsumenten aufzubauen.“ Unternehmen, die immer noch an alten Vorstellungen festhalten, liegen auf Kollisionskurs mit der Zeit, so der Starbucks-Gründer. Unabdingbar sei jetzt und in Zukunft, sich absolut ehrlich auf seine Kunden einzulassen. Und damit meint Schultz nicht zuletzt die weitreichende Verpflichtung, als Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, ob lokal oder global – siehe faire Beschaffungspolitik. Mehr noch: „Man fragte mich: Warum kommst du gerade jetzt zurück als CEO?“, so Schultz, der 2008 an die Spitze von Starbucks zurückkehrte, um die Company aus der Krise zu führen. „Meine Antwort war Love! – Liebe zum Unternehmen, aber auch Sorge um seine Zukunft.“

Rechnen ja, Berechnung nein – durchgängige, herausfordernde Botschaft an das Summit-Publikum. Um das Maß voll zu machen, konfrontierte der Amerikaner Douglas Rushkoff – New Media Spezialist, Autor, Universitätsdozent und Kulturwissenschaftler, seine Zuhörer in seiner phänomenalen Präsentation mit folgender These: „Wir erleben den radikalsten gesellschaftlichen und kulturellen Umschwung seit der Erfindung des Alphabets.“ Als Ursache sieht Rushkoff das Internet: „A shareware, open source universe.“ Im Einklang mit seinen Vorrednern plädierte Rushkoff angesichts der medialen Revolution für eine fundamentale Neudefinition bisheriger Geschäftsmodelle. Nicht als Option, wohlgemerkt. Sondern als unausweichliche Notwendigkeit. Und bestätigte Schultz’ Erkenntnis: Facebook & Co. sind kein Sales-Tool, sondern ein Kommunikationsinstrument. Seine überraschende These: „social media is against globalism!“ Sondern begünstigt im Gegenteil lokales Engagement. Die wachsende Zahl von Social Media-gestützten örtlichen Aktivitäten (Smart Mobs!) kann als Beleg dafür gelten. In der neuen, Internet-forcierten peer-to-peer Gesellschaft müssen Unternehmen sich darauf einlassen, dass Verbraucher in ganz neuem Ausmaß mitreden und mitbestimmen wollen. Die Konsequenz: „Companies have to enable people to create value through them!“

Wie zuvor David Bosshart, wandte sich Rushkoff gegen die vermeintliche Gesetzmäßigkeit ständigen Wachstums – für ihn in Wahrheit gekoppelt an das Auslaufmodell des produktionsgetriebenen Kapitalismus. „There is not an intrinsic need to grow!“ Auch Rushkoffs Empfehlung lautete: „Love the thing you do!“ – reichlich Stoff zum Nachdenken für das Publikum im Kongresssaal.

Weitere Programm-Höhepunkte? Ivan Schofield unterrichtete über die höchst erfolgreiche Turnaround-Strategie von KFC in Frankreich. Ellie Frost präsentierte die Erfolgsformel Jamie’s Italian, Gustavo Duran machte das Auditorium mit dem in Lateinamerika beheimateten Chicken-Konzept Pollo Campero bekannt – inzwischen auch in Europa präsent. Maria Wirén aus Schweden, angereist mit ihrer 9 Wochen alten Tochter, berichtete über ihr 2007 gestartetes Konzept Naked Juicebar. Nadine Beshir stellte die in Ägypten kreierte Kaffeebar-Formel Cilantro vor, inzwischen auch in Großbritannien angelandet. Und überwältigte das Publikum mit ihrer engagierten Parteinahme für die ägyptische Revolution. („I don’t believe in statistics. I believe in enthusiasm!“) Last but not least, plädierte Lord Sebastian Coe für den positiven Einfluss, den Sport gerade für sozial benachteiligte junge Leute haben kann. Und dafür, mentale Barrieren zu überwinden, gleich worum es geht. Sich weder von eigener Skepsis noch von Kritik abhalten zu lassen: „Challenge the orthodoxes!“

Angemessenes Schlusswort für den zweitägigen Top-Event, wie stets souverän moderiert von Prof. Christopher Muller von der Boston University. Einmal mehr lieferte die traumhafte Location direkt am Zürichsee den gelungenen atmosphärischen Rahmen. Perfektes Catering, erstklassiger Content, eine von Mal zu Mal enger verbundene Branchen-Community – allesamt längst veritable Markenzeichen des 'Think Tank for the Restaurant Industry'.

Unterstützt durch neun Educational Partner – Delitrade, Duni, Ecolab, Metro, Nestlé Professional, RMS Revenue Management Solutions, Salomon Food World, Transgourmet und Winterhalter -, kultiviert der European Foodservice Summit ganz bewusst auch das Thema Networking, unterstützt durch ein hochwertiges Hospitality-Programm. Dafür steht nicht zuletzt das Get-together am Vorabend des Kongresses, diesmal in der Party-Location 'Labor-Bar'. Fachlichkeit mit hohen Kontaktwerten kombinieren auch die optionalen Restaurant-Studytours am Vortag des Summit.

Wichtiger Hinweis für 2012: Die Veranstalter bieten auch im kommenden Jahr das Seminar 'Successful Multi-Unit Restaurant Management' an – Lektor ist wieder Prof. Christopher Muller. Das Weiterbildungsseminar für den Management-Nachwuchs in der Systemgastronomie findet vom 22. bis 24. Mai 2012 in Zürich statt.

Und schon jetzt zum Vormerken der Termin des 13. European Foodservice Summit: vom 26. (Vorprogramm)/27. bis 28. September 2012 in Zürich. Mehr Informationen unter

www.efss.ch
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