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Pub mit Postamt und Bibliothek

Auf den Britischen Inseln gibt es derzeit noch etwa 52.000 Pubs. Viele von ihnen erlösen längst mit dem Essenverkauf deutlich mehr als mit Getränken. Trotzdem leiden die meisten unter dem ganz überwiegend strikt durchgehaltenen Rauchverbot, das in den zurückliegenden Jahren einige tausend Betriebe in den finanziellen Ruin trieb. Und da die Zeiten trotz des meist gut laufenden Essensbetriebs weiter hart zu bleiben versprechen, denken immer mehr Pub-Betreiber darüber nach, wie sie ihren Betrieb durch zusätzliche Leistungen auf eine breitere finanzielle Basis stellen können.

Aus diesem Bestreben heraus haben sich bemerkenswerte Tendenzen ergeben. Mehr als hundert Pubs haben inzwischen das örtliche kleine Postamt übernommen. Theke an Theke gibt es nun Getränke, Essen, Briefmarken und vielfältige andere postalische Leistungen. Je mehr die britische Post zu sparen bestrebt ist, desto größer dürfte die Zahl der Postämter im Dorf- oder Vorstadt-Pub werden.

Eine andere Idee ist die Übernahme der örtlichen Leihbücherei. Je stärker die Gemeindeverwaltungen gezwungen sind, ihre Ausgaben zu reduzieren, desto geneigter sind sie, die Leihbücherei an den Pub zu vergeben. Auch hier wird mit einer deutlichen Zunahme derartiger Kombinationen gerechnet.

Am verbreitetsten dürfte bisher allerdings die Verbindung von Pub und Farmshop oder Bauernladen sein. Das reicht inzwischen in einigen Fällen soweit, dass sich der örtliche Pub sogar eine Metzgerei angegliedert hat. Wie einfallsreich die Wirte – und gerade auch ihr Personal – vielfach geworden sind, zeigt sich auch an ganz anderen Fällen. Je stärker die britische Regierung gerade die Älteren im Lande dazu drängt, Computer bedienen zu lernen und mit den Behörden nur noch online zu verkehren, desto mehr Pubs sehen ihre Chance darin, beispielsweise am Montag morgen einen Computer-Kurs einzurichten. Der Reiz liegt dabei darin, dass sich die Betriebsräume auf diese Weise zeitlich besser auslasten lassen.

Das andere Ende des Spektrums neuer Aktivitäten sind Schrebergärten. Gerade die ländlichen Pubs verfügen vielfach über umfangreichen Grund und Boden. Soweit dieser nicht für Parkflächen herhalten muss, wird er unter anderem dazu benutzt, Schrebergarten-Flächen zu vermieten.

Peter Odrich, London
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