Nach Hurricane Sandy

Restaurants werden zu Anlaufstellen für Betroffene

Die Restaurants an der amerikanischen Ostküste profitieren offenbar von Hurricane Sandy. Nachdem das Geschäft während des verheerenden Sturms zwischenzeitlich völlig zum Erliegen kam, sind Ketten wie Boston Market, Starbucks und Applebee's jetzt Anlaufpunkt für Millionen Kunden, die zu Hause wegen des andauernden Stromausfalls nicht kochen können.

Die Situation sei für die Restaurantbetreiber ähnlich wie im vergangenen Jahr nach dem Hurricane Irene. Die Verluste des Monats Oktobers könnten daher von den Gewinnen im November ausgeglichen werden.

Rund 2 Mio. New Yorker sind Berichten zu Folge immer noch ohne Strom. Und so sind die öffentlichen Restaurants zum Beispiel auf Long Island auch an normalerweise ruhigeren Tagen voll mit Gästen, die neben dem Essen auch die Gelegenheit nutzen, ihre Laptops und Handys aufzuladen. Bis zu 40 Minuten betrug die Wartezeit. Auch die Getränkeverkäufe legten zu, vor allem beim Alkohol. "Der größte Unterschied zu regulären Tagen ist, dass alle Gäste etwas zu trinken bestellen", erklärt Keith Deluise, Manager im Texas Roadhouse-Restaurant. "Und: 20 Prozent der Umsätze waren alkoholische Getränke - verglichen mit 12 Prozent an normalen Tagen."

Auch die Long-Island-Locations von Boston Market, die geöffnet haben, sind Anlaufstelle für die Sandy-Opfer. "Vor den Läden bilden sich Schlangen und die Gäste bestellen vermehrt Familien-Menüs, um vier, fünf oder sechs Menschen satt zu bekommen", berichtete Bob Gerard, verantwortlich für die Operations der Kette in New York und Massachusetts. Mit privaten Autos und Taxis bringt die Chicken-Kette ihre Mitarbeiter in die Filialen in New York City. Von den 70 Standorten in Gerards Bereich sind derzeit 50 geöffnet.

Ausverkauft war das Food-Angebot der Starbucks-Filiale in Groton, Connecticut am Dienstag, obwohl Store Manager Jeremiah Vigue extra zusätzliche Mengen Speisen und Milch bestellt hatte. "Wir haben den doppelten Umsatz eingefahren!" Rund 150 Coffee Houses sind derzeit in der Region New York City noch geschlossen, die meisten, weil sie ebenfalls keinen Strom haben. Vorsichtshalber hatte der Kaffee-Gigant 1.000 seiner Locations an der US-Ostküste vor dem Eintreffen von 'Sandy' geschlossen. Viele Menschen wurden dennoch dabei beobachtet, wie sie sich vor den Türen versammelten, um die in den Filialen vorhandenen W-LAN-Netze zu nutzen.

Rund 24 Prozent über dem Normalen lagen die Erlösen der Applebee's-Restaurants in New Jersey und dem nördlichen Delaware. In der Region New England toppten die Geschäfte die des Vorjahres sogar um 35 Prozent. CEO Greg Flynn führt dies unter anderem darauf zurück, dass immer noch viele Haushalte ohne Strom sind. "Außerdem haben sich die Leute jetzt tagelang im Haus aufgehalten und wollen wieder ausgehen."

Ebenfalls gute Umsätze vermeldet Papa John's. Der Pizza Lieferdienst registriert steigende Nachfrage in allen Stores, die derzeit in der Lage sind, ihre Kunden zu bedienen.

Wie elementar der tägliche Besuch in einer der großen Ketten für viele Amerikaner ist, zeigt das Zitat von Matt Wall, 25: "Erst als Starbucks und McDonald's schlossen, wurde mir klar, dass da etwas Ernstes auf uns zukommt." Fachleute nennen das Phänomen den 'Waffle House Index': Die Heftigkeit eines Unwetters wird in den südlicheren Bundesstaaten, die häufiger von schlimmen Stürmen heimgesucht werden, tatsächlich häufig daran gemessen, ob die Filialen der Kette 'Waffle House' geöffnet bleiben oder eben nicht.



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