10 Visionäre, die die Welt veränderten

Und 2 davon waren und sind gastronomische Revolutionäre: Howard Schultz und Jamie Oliver.

In ihrer jüngsten Ausgabe portraitiert die Wochenzeitung 'Die Zeit' Zeitgenossen, die unser Denken und unser Verhalten verändert haben. Sie nennt sie 'Genies des Alltags'. Man habe viele Namen angedacht, habe viele zwangsläufig wieder streichen müssen ... Was blieb: 10 Köpfe – eine gnadenlos subjektive Liste, so heißt es.

However, es lohnt sich, die Doppelseite zu lesen. Hier die Namen und Taten, angeführt von einem der vor wenigen Tagen die irdische Welt verlassen hat.

· Steve Jobs – Der Humanist des Digitalen
· Miuccia Prada – Die Mäzenin der Mode
· Howard Schultz – Der Mobilmacher des Kaffees
· Mark Zuckerberg – Der Übersetzer der Freundschaft
· Ingvar Kamprad – Der Flachpacker
· Carl Djerassi – Der Befreier
· Jamie Oliver – Der Einfachkoch
· Gebrüder Albrecht – Die Radikalen der Sparsamkeit
· Joanne K. Rowling – Die universelle Zauberin

Die lesenswerten Texte zu den beiden Gastro-Revolutionären:

Howard Schultz (Starbucks)

Er kommt aus keiner Kaffeerösterdynastie, sondern aus Brooklyn. Vom Fach ist er auch nicht. Der Mann, der uns beibrachte, Kaffee unterwegs aus gefährlich heißen Pappbechern zu trinken, kam über einen Ausreißer in der Statistik zum Koffein.
Howard Schultz arbeitete im Küchengeräte-Großhandel. Eines Tages fiel ihm auf, dass eine kleine Klitsche in Seattle erstaunlich viele hochwertige Kaffeemaschinen kaufte und verkaufte. Ihr Name: Starbucks. Ihr Erfolgsgeheimnis: unamerikanisch guter Kaffee. Schultz zog nach Seattle, übernahm Starbucks und veränderte die Branche. Indem er den Kaffee, dieses Frühstücks- und Kuchenbegleitgetränk, zum Drink für ganztags und allerorts machte.

Weltweit fand das Prinzip Nachahmer. Kaffeehäuser als Kette, mobiler (und grotesk überteuerter) Kaffee als Distinktionsmerkmal. Der Quereinsteiger hat aus dem immer gleichen Brühgetränk ein Lifestyleprodukt gemacht. 17.000 Filialen in 50 Ländern stillen heute einen Durst, den vormals kaum einer verspürt hat.

Schultz' nächster querer Plan: Starbucks als Instantkaffee.


Jamie Oliver (Koch-Popstar)

Früher zuckten die Menschen zusammen, wenn sie ein Kochbuch sahen, denn sie wussten: Sie brauchen drei Tage, bis sie alle Zutaten aufgetrieben haben, und zwei weitere, um die vielen Schritte auszuführen – und am Ende sieht das Gericht doch ganz anders aus als auf dem Foto. Dann kam Jamie Oliver. Der Brite machte Schluss mit der Schwellenangst: Kochen ist kein Teufelswerk, und ein Gericht, das in nur einem Topf entsteht, kann trotzdem köstlich schmecken und satisfaktionsfähig sein.
»Recipease«, eine Wortneuschöpfung aus »Rezept« und »einfach«, wurde zu seiner Losung. Und weil Oliver, Jahrgang 1975, ein Charmebolzen mit großer Klappe ist, wurde er über seine Fernsehshows zu einem weltweiten Medienphänomen, das mit dem richtigen Gespür für den pädagogischen Überbau den Kampf aufnahm – gegen Fast Food und für gesunde, regionale Küche.

So kochte sich Jamie Oliver bis zum Premierminister in die Downing Street 10. Aber vor allem in unser aller Küchen. Wenn wir heute von Freunden zum Essen eingeladen werden, müssen wir nicht mehr bis kurz vor Mitternacht ausharren, bis endlich der durchgeschwitzte Gastgeber seinen längst betrunkenen Gästen den ersten ambitioniert-missglückten Gang serviert.

Jamie Oliver hat uns vom Überforderungsdrama erlöst.

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