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Brexit würde Tourismusindustrie 4,1 Mrd. Pfund im Jahr kosten

Stimmen die Briten am 23. Juni für einen Austritt aus der EU, könnte die Tourismusbranche Großbritanniens 4,1 Mrd. Pfund jährlich allein an touristischen Ausgaben einbüßen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung des weltweit tätigen Herausgebers von Reiseangeboten Travelzoo. Der Online-Umfrage zufolge sagen ein Drittel der Reisenden aus Deutschland, Italien und Spanien - sowie ein Viertel aus Frankreich -, dass sie weniger geneigt seien, nach Großbritannien zu reisen, falls das Land für einen EU-Ausstieg votiert.

Vier von zehn Befragten aus EU-Ländern befürchten zudem, dass der Brexit den Urlaub in Großbritannien verteuern könnte. In den vier größten Ländern der Europäischen Union (Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien) wird vorwiegend die Ansicht vertreten, dass Großbritannien in der EU bleiben sollte; knapp 70 % sagen, dass Großbritannien weiter dazugehören sollte.

Trotzdem glauben Befragte aus einigen Ländern - insbesondere Frankreich -, dass ein EU-Ausstieg Großbritannien zu einem sichereren Urlaubsziel machen könnte. Obwohl fast 75 % der internationalen Besucher Großbritanniens aus der EU kommen, gaben selbst Befragte aus entfernter liegenden Ländern (10 % der Befragten aus Kanada und 12 % aus den USA) an, dass sie weniger geneigt seien, nach einem Brexit nach Großbritannien zu reisen.

Auch 12 % der US-Amerikaner und 10 % der Kanadier sagen, dass sie wahrscheinlich eher nicht nach Großbritannien reisen, wenn das Land die EU verlässt. Amerikanische Besucher geben derzeit mehr als drei Milliarden Pfund pro Jahr in Großbritannien aus.

Der Urlaub für britische Touristen in Europa könnte indessen teurer werden, wenn die von einigen der Nachbarn aus Frankreich und Spanien geäußerten Ansichten sich weiter durchsetzen: 40 Prozent der Befragten aus diesen Ländern meinen, dass es gerecht sei, höhere Abgaben wie beispielsweise eine erhöhte City Tax von britischen Besuchern zu verlangen, wenn die Briten am 23. Juni für einen Ausstieg stimmen.

Britische Reisende haben ebenfalls Bedenken bezüglich der Auswirkung, die ein Brexit auf ihre Urlaubskosten haben könnte. Mehr als ein Viertel (28 %) befürchtet, dass ein Ausstieg aus der EU den Urlaub für sie verteuern könnte, während 56 % Sorge äußerten, dass der Brexit die Leichtigkeit und Flexibilität, mit der britische Staatsbürger zurzeit innerhalb der EU reisen können, beeinträchtigen könnte.  

Joel Brandon-Bravo, UK Managing Director von Travelzoo, sagte: „Unsere Nachbarn in Europa möchten eindeutig nicht, dass Großbritannien die EU verlässt und diese Stimmung könnte einen starken Rückgang der Buchungen für Großbritannien aus den größten europäischen Ländern nach sich ziehen. Kombiniert mit einem möglichen Rückgang der Besucher aus den USA von mehr als zehn Prozent, wie unsere Untersuchung aufzeigt, ist es klar, dass der Brexit sich sehr nachteilig auf die heimische Tourismusbranche Großbritanniens auswirken könnte. Auch britische Verbraucher, die eine Auslandsreise planen, befürchten, dass der Brexit Auswirkungen auf die Outbound-Tourismusbranche hat.“

John Fletcher, Pro Vice Chancellor der Universität Bournemouth, eine weltweite akademische Spitzeninstitution, die auf Reisen und Tourismus spezialisiert ist, resümiert: „Obwohl die Auswirkung des Brexit auf den Tourismus schwer vorhersehbar ist, da Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien vier der sieben wichtigsten Länder sind, aus denen Touristen nach Großbritannien kommen – auf die mehr als 11 Mio. internationale Besucher jährlich entfallen –, würde der Netto-Effekt eines Brexit voraussichtlich sehr negativ für die britische Wirtschaft sein.

Die oben genannten Zahlen spiegeln nur die direkten tourismusrelevanten wirtschaftlichen Auswirkungen eines Votums für einen EU-Ausstieg wider, aber wenn die Ausgaben von ausländischen Touristen tatsächlich um 4,1 Mrd. Pfund pro Jahr sinken würden, dann würden dadurch wahrscheinlich die Einnahmen der britischen Steuerbehörde um mehr als 1,1 Mrd. Pfund gesenkt und die Unterstützung für rund 63.000 Arbeitsplätze in Großbritannien gedrosselt. Selbst wenn ein Ausstieg Großbritanniens einige Zeit in Anspruch nehmen würde, insbesondere weil die Neuverhandlung unseres geänderten Status mit Europa von Anfang bis Ende sieben Jahre dauern könnte, wird es unmittelbare Auswirkungen aufgrund dieser Ungewissheit geben.“

Der Umfrage von Travelzoo unter 3.050 Briten zufolge sind 46 % der Ansicht, dass Großbritannien in der EU bleiben sollte, während 40 % meinen, dass es an der Zeit ist, auszusteigen - 14 % sind noch unsicher.

Die Umfrage wurde mithilfe eines Online-Fragebogens in den fünf größten (gemessen an der Bevölkerungszahl) Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie den USA und Kanada durchgeführt. Der Fragebogen wurde von 4.950 Travelzoo-Mitgliedern in Frankreich, Spanien, Deutschland, den USA und Kanada ausgefüllt. Für Großbritannien und Italien gab Travelzoo eine unabhängige Untersuchung bei Atomik Research, die 2.004 Verbraucher in Großbritannien und 1.003 Verbraucher in Italien befragten, in Auftrag.

www.travelzoo.com
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