Corona-Krise, Frankreich

Frankreich lockert die Ausgangsbeschränkungen

Frankreichs Gastronomen warten auf die Wiedereröffnung ihrer Betriebe.
Imago Images/ Hans Lucas
Frankreichs Gastronomen warten auf die Wiedereröffnung ihrer Betriebe.

Ein neuer Gesetzentwurf der französischen Regierung sieht vor, die Ausgangsbeschränkungen für die Bevölkerung ab dem 11. Mai schrittweise zu lockern. Geschäfte sollen wieder öffnen dürfen, die Gastronomie allerdings noch nicht. Zudem könnte der Ausnahmezustand noch bis zum 24. Juli verlängert werden. 

Vorgelegt hat den Plan zur schrittweisen Wiedereröffnung des Landes der französische Wirtschaftsminister Eduard Philippe. Laut diesem sollen ab dem 11. Mai zuerst Grundschulen und Kindergärten ihre Türen öffnen. Ab Mitte des Monats können dann Unternehmen, für die Homeoffice keine Option ist, ihren Betrieb wieder aufnehmen. Auch der öffentliche Nahverkehr wird wieder hochgefahren. Um die Anzahl der Neuinfektionen möglichst gering zu halten, müssen bei Nutzung der öffentlichen Transportmittel allerdings verpflichtend Schutzmasken getragen werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll in der nächsten Woche im Senat und der Nationalversammlung beraten werden. 

Startschuss Anfang Juni

Für die französische Gastronomie geht es dagegen frühestens ab dem 2. Juni wieder los. Großveranstaltungen mit mehr als 5.000 Personen bleiben sogar noch bis in den September hinein verboten. Keine guten Nachrichten für die Branche, wie Didier Chenet, Präsident des Branchenverbandes Groupement National des Indépendants (GNI), befindet. "Ich verstehe, dass die Gesundheit unserer Mitbürger für unsere Regierung Priorität hat. Ich möchte aber auch, dass sie die Notlage unserer Fachkräfte versteht, denen das Recht auf Arbeit entzogen ist. Ihnen muss geholfen werden, die von ihnen verzeichneten Verluste auszugleichen."

Ein Gegenvorschlag der Parteien La Republique en Marche (LREM), Mouvement démocrate (MoDem) und der Fraktion UDI-Agir in der Nationalversammlung wurde der Regierung bereits Ende April vorgelegt. Darin empfehlen die Abgeordneten eine schrittweise Wiedereröffnung der Gastronomie und Hotellerie in drei Stufen ab dem 15. Mai. Weitere Vorschläge für den Tourismussektor sind darüber hinaus die Schaffung eines Gesundheitslabels, die Einführung eines Schuldenmoratoriums im Jahr 2020 und die Förderung von Urlaubsreisen für alle Franzosen.

Umfrage zur Rückkehr in die Gastronomie

Positive Nachrichten für die französische Gastronomie gibt es dagegen vom Marktforschungsunternehmen CHD Expert. In einer Umfrage unter 1.000 Personen ermittelt das Unternehmen, dass rund zwei Drittel der französischen Bevölkerung nach der Aufhebung der Ausgangssperre in Restaurants, Bars und Cafés zurückkehren wollen. Immerhin 20 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben sogar an, dies so schnell wie möglich tun zu wollen.

Allerdings machen die Befragten ihre Rückkehr in die Gastronomie auch von bestimmten Bedingungen abhängig. So wünschen sich knapp 64 Prozent die Bereitstellung von Desinfektionmitteln am Eingang, während 54 Prozent für mehr Abstand zwischen den Tischen plädieren. Zudem gab fast die Hälfte der Befragten an, in Zukunft stärker auf die Herkunft der verwendeten Lebensmittel zu achten und dabei lokale Produkte zu bevorzugen.

Digital bleibt

Auch Themen wie Delivery und Online-Bestellungen werden die französische Gastronomie laut der Umfrage in Zukunft stärker beschäftigen. Zwar gaben nur 3 Prozent der Teilnehmer an, Delivery in der Krise für sich neu entdeckt zu haben, jedoch gesellt sich ihre Zahl zu den 40 Prozent der Befragten, die Lieferservices bereits vor der Corona-Pandemie regelmäßig genutzt haben und dies auch in Zukunft fortführen wollen.

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