Corona-Krise Großbritannien

Tausende Pubs am Ende

In Großbritannien greift eine Pleitewelle in der Gastronomie um sich.
imago images / ZUMA Wire
In Großbritannien greift eine Pleitewelle in der Gastronomie um sich.

Pubs, Restaurants, Bars – in Großbritannien wütet die Corona-Pandemie im Gastrogewerbe. Tausende Locations mussten insolvent schließen, so eine Studie. Der Branchenverband Hospitality UK fordert mehr Unterstützung, um Arbeitsplätze zu erhalten.

9.930 dauerhafte Schließungen gegenüber 3.955 Eröffnungen im Gastgewerbe haben die Unternehmensberatung AlixPartners und der Branchenanalyst CGA für Großbritannien ermittelt. Dieses Minus von nahezu 6.000 Pubs und Restaurants sei ein etwa drei Mal so hoher Wert wie im Jahr 2019, so die Analysten. Ihre Begründung: Vor allem die Corona-Beschränkungen und Verbote geselliger Feiern vernichten Umsatz. Alarmiert zeigt sich angesichts der Zahlen der Branchenverband UK Hospitality.

Lange Durststrecke

"Der Verlust von 6.000 Betrieben ist ein furchtbarer Schlag für die Branche, aber das ist nur die Spitze des Eisbergs, wenn wir unseren Kurs beibehalten", mahnt Verbandschefin Kate Nicholls. Selbst, um den Februar zu überstehen, habe jedes fünfte Unternehmen einer Erhebung zufolge keine Rücklagen mehr. Nicholls forderte mehr finanzielle Unterstützung, vor allem Mieten seien eine große Belastung. "Betriebe am Leben zu erhalten und Arbeitsplätze zu schützen, ist von entscheidender Bedeutung und wird der Schlüssel zur Erholung nach der Pandemie sein", sagte Nicholls. Sie forderte die Regierung auf, Kreditrückzahlungen um 12 Monate zu verlängern und die Laufzeiten der Covid-Kredite zu verlängern, um zu vermeiden, dass die Unternehmen des Sektors lahmgelegt werden. Nicholls wies darauf hin, dass die staatlich geförderten Kredite bereits in ein paar Monaten zurückgezahlt werden müssen – und viele Unternehmen schon seit geraumer Zeit ohne Einnahmen dastehen.

Forscher vom Imperial College London und den Universitäten von Edinburgh und Warwick warnen jedoch vor einem Anstieg der Infektionsfälle, würden die Beschränkungen zu früh wieder aufgehoben. Selbst nachdem jedem über 50-Jährigen ein Impfstoff angeboten wurde, könnten die Covid-Fälle wieder ansteigen, wenn Einschränkungen wie die Schließung von Pubs, Restaurants und Geschäften zu früh enden. Sie schlagen vor zu warten, bis 80 Prozent der Bevölkerung geimpft seien. Die Öffnung der Schulen müsse Vorrang haben, so die Wissenschaftler. Für das Gastgewerbe schlagen sie Mai als frühester Termin zur Öffnung des Gastgewerbes vor. Nach den Plänen der Regierung soll allen über 70-Jährigen der Impfstoff bis zum 15. Februar angeboten werden, allen über 50-Jährigen bis Ende April. Verbands-Chefin Nicholls fordert im Sinne ihrer Branche, es müsse "ein Gleichgewicht der Risiken" sein. 


CGA-Experte Chessell zeigte sich dennoch optimistisch und verwies auf den Fortschritt bei Massenimpfungen. "Die Menschen wollen unbedingt wieder essen und trinken gehen, und wir können sicher sein, dass die Besucherzahlen und Umsätze zurückkehren, wenn die Branche endlich wieder öffnen kann", sagte er.


Sie möchten Aktuelles zum Thema "Coronavirus und die Gastro-Branche" lesen? Mehr fachlichen Input finden Sie in unserem "Coronavirus und die Gastro-Branche"-Dossier.
stats