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USA: Fokus auf Mitnahmegeschäft

USA: McDonald's war eine der letzten großen Ketten, die ihre Gasträume geschlossen hat.
Kyodo News
USA: McDonald's war eine der letzten großen Ketten, die ihre Gasträume geschlossen hat.

Die US-Regierung hat die Bevölkerung dazu aufgerufen, Restaurants, Bars und Foodcourts zu meiden. Einige Bundesstaaten sowie New York City haben bereits die Schließung des regulären Gaststättenbetriebes angeordnet. Große und kleine Akteure konzentrieren ihr Geschäft auf Delivery, Take-Away und Drive Thru.

Nach aktuellem Stand (Mittwoch, 18.3.) sind in den Vereinigten Staaten 7.048 Personen mit dem Virus infiziert. Täglich kommen hunderte neuer Fälle hinzu. Mindestens 116 Patienten starben. Mehr als die Hälfte der Infektionen wurden in New York, Washington State und New York registriert. Die übrigen verteilen sich über alle Bundesstaaten.

Service-Fokus jenseits der Units

Für die über 1 Millionen Restaurants und Foodservice-Outlets mit über 15 Millionen Beschäftigten bedeutet der Aufruf des Präsidenten eine maßgebliche Veränderung. Viele, die bislang keine Liefer- und Take-Out-Strukturen aufgebaut haben, müssen dies schnellstmöglich nachholen oder schließen. Führende Foodserviceketten haben ihr Geschäft bereits auf das Business jenseits der eigenen vier Wände verlagert, zahlreiche ziehen nun nach.
Bereits am Sonntag, 15. März, hatte Starbucks angekündigt, die Gasträume aller Eigenregiebetriebe zu schließen und das Geschäft auf To-Go, Delivery und Drive-Thru zu konzentrieren. Am Montag folgten zahlreiche weitere große und kleine Ketten aus dem Quickservice und Fast Casual Segment, darunter Taco Bell, Chick-fil-A, Panda Express, Jack in the Box, Chipotle Mexican Grill, Pizza Hut, Starbucks, Arby's, Sonic, Chick-fil-A, Shake Shack and Noodles & Company.

Maßnahmen bei Yum!

"Seit dem 15. März sind alle firmeneigenen Taco-Bell-Restaurants nur noch im Drive-Thru- und Lieferbetrieb tätig. Die Franchisenehmer bestimmen die Schließung von Gasträumen auf Grundlage örtlicher Vorgaben und der Bedürfnisse der Gemeinde vor Ort", teilte Yum! mit. 
 
Die Gasträume von Pizza Hut werden überall dort geschlossen, wo es die Bundesstaaten vorschreiben. Außerdem bietet Pizza Hut kontaktlose Lieferungen an. KFC Franchisenehmer richten sich hinsichtlich der Schließung von Gasträumen nach den Vorgaben örtlicher Behörden.  

Auch McDonald’s schließt Restaurants

Kurz nach den Empfehlungen des Präsidenten am Dienstag, 17. März, Restaurants zu meiden, entschied auch McDonald’s als eine der letzten großen QSR-Ketten, die Gasträume seiner knapp 700 Eigenregiebetriebe zu schließen, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. „Firmeneigene Restaurants werden Sitzbereiche schließen, ebenso die Selbstbedienungs-Getränke-Bars und Kioske. Wir werden unseren Schwerpunkt auf die Bedienung der Kunden durch Drive-Thru, Walk-in Take-out und McDelivery verlagern", so das Unternehmen. Den Franchisenehmer wurde empfohlen, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen. 

US-Präsident dankt Restaurantketten

Ebenfalls am Dienstag sprach Donald Trump in einem gemeinsamen Conference-Call mit den CEOs und Präsidenten führender Restauranteketten, darunter Domino’s, Yum Brands, McDonald’s, Subway und Wendy's, seinen Dank für Ihr Engagement bei der Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus aus. 

„Wir haben uns gegenseitig in unserem Engagement zur Unterstützung der Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung bestärkt, während wir weiterhin den äußerst wichtigen Zugang zu Speisen sicherstellen. Wir sind dankbar, dass das Weiße Haus nach einem gemeinsamen Blickwinkel der Branche gefragt hat“, äußerte sich Wendy’s zu dem Gespräch. 

Vertreter der International Franchise Association und der National Retail Federation nahmen an dem Gespräch ebenfalls teil.

Lieferdienste lockern Gebühren

Um kleine Gastronomen in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen, verkündete Grubhub bereits am Freitag, 13. März, Vermittlungsgebühren für unabhängige Betriebe auszusetzen. „Unabhängige Restaurants sind die Lebensader unserer Städte und ernähren unsere Gemeinden“, sagte Matt Maloney, Gründer und CEO von Grubhub, in einer Pressemitteilung. „Sie sind großartige Langzeit-Partner für uns und wir wollen ihnen in ihrer Zeit der Not helfen. Unser Geschäft ist ihr Geschäft - daher fiel uns die Entscheidung leicht.“ Der Food-Lieferservice verzichtet damit auf Einnahmen von bis zu 1 Millionen Dollar.

Ueber Eats verlangt seit Montag keine Liefergebühren mehr für Bestellungen von unabhängigen Restaurantbetreibern ( = Restaurants, die keinem Franchisesystem und/oder keiner nationalen Kette angehören).  Darüber hinaus bietet das Unternehmen jetzt tägliche Auszahlungen an, sodass Restaurants nicht bis zum Ende der Woche warten müssen, um Einnahmen aus Lieferungen zu erhalten – zumal diese einen zunehmend größeren Umsatzanteil ausmachen. Auch DoorDash hat erleichternde Maßnahmen für Partnerrestaurants angekündigt.

Ketten gewähren Lohnfortzahlung

Um die Verbreitung des Virus einzudämmen, wurden von zahlreichen amerikanischen Arbeitgebern neue Policen eingeführt, die die Lohnfortzahlung auch bei krankheits- oder quarantänebedingtem Arbeitsausfall gewähren (i.d. Regel bis zu zwei Wochen). Darunter Taco Bell, McDonald’s, Starbucks. In den Vereinigten Staaten gibt es keine gesetzliche Verpflichtung zur Lohnfortzahlung für kurzzeitig erkrankte Mitarbeiter. Ein entsprechender Gesetzesentwurf, den die Demokraten anlässlich der aktuellen Krise einbrachten, wurde vom Kongress abgelehnt.

Auswirkungen

Welche Konsequenzen die aktuelle Situation für die amerikanische Foodservicebranche haben wird, ist längst nicht abzusehen. „In den Städten Italiens gingen die Umsätze um 90% zurück, so Christopher Muller, Professor an der School of Hospitality der Universität Boston verschwunden. „Wenn wir das hier einen Monat lang haben, werden die Auswirkungen auf den US-Tourismus und das Gastgewerbe im zweistelligen, wenn nicht gar dreistelligen Milliardenbereich liegen.“ Muller schätzt, dass ein Monat mit Restaurantschließungen in den USA 60 Milliarden Dollar kosten könnte, wobei die Hotels bis zu 15 Milliarden Dollar mehr verlieren würden. 

In einem Brief an Donald Trump und den Kongress sprach die National Restaurant Association am Mittwoch von einem Umsatzrückgang für das Gaststättengewerbe von bis zu 225 Milliarden Dollar in den nächsten drei Monaten, was bis zu 7 Millionen Arbeitsplätze kosten könnte. Sie forderte, unverzüglich 145 Milliarden Dollar an direkten Hilfszahlungen an Restaurants und Gastronomieeinrichtungen bereitzustellen. Die Gelder würden zum Teil für die Bezahlung der Beschäftigten verwendet.

Bereits in der vergangenen Woche (Ende: 14. März) war die Frequenz in den von Black Box Intelligence befragten Foodsservice-Unternehmen um 70 Prozent zurückgegangen. Am stärksten betroffen waren gehobene Casual Dining sowie Fine Dining Restaurants mit 85 Prozent weniger Gästen

Am 14. März hatte Datassential Konsumenten nach ihrem Ausgehverhalten befragt. 41 Prozent der Amerikaner äußerten Beunruhigung hinsichtlich des Außer-Haus-Konsums, 27 Prozent sagten, dass sie Restaurants grundsätzlich meiden, während weniger als ein Drittel der Befragten keinerlei Bedenken in Bezug auf Gaststättenbesuche zeigten.
USA: Top 500 Player
2018 erwirtschafteten die Top 500 Foodservice-Player in den USA 317,7 Mrd. US-Dollar (umgerechnet 287,9 Mrd. Euro), ein Plus von 3,3 Prozent. Die Top 50 alleine setzen rund 234,4 Mrd. US-Dollar um. Marktführer ist McDonald's mit einem Systemumsatz von 38,5 Mrd. US-Dollar in 2018, was einem Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach. Dahinter folgen Starbucks mit 19,6 Mrd. US-DollarSubway mit 10,4 Mrd. US-Dollar und Taco Bell mit einem Systemumsatz von 10,4 Mrd. US-Dollar.
Quelle: Top 500 Chain Restaurant Report, Technomic



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