Großbritannien

Mieten: stärkste Belastung fürs Gastgewerbe

In London gelten teilweise Corona-bedingte Beschränkungen für ganze Straßenzüge.
Imago Images / ZUMA Wire
In London gelten teilweise Corona-bedingte Beschränkungen für ganze Straßenzüge.

Wie in Deutschland leiden britische Betriebe des Gastgewerbes unter Einschränkungen und Restriktionen wegen der Pandemie, die sich direkt auf die Umsätze auswirken. Unter diesen Umständen benötigten mehr als vier von fünf Unternehmen niedrigere Mieten von ihren kommerziellen Vermietern. Das ist das Ergebnis einer Befragung durch die Beratungs- und Immobilienentwicklungsgesellschaft Cedar Dean, berichten britische Branchenmedien.

Demnach glauben mehr als vier von fünf (82 %) der britischen Hotel- und Gaststättenbetreiber nicht, dass ihre derzeitigen oder auch neu geschlossenen Mietverträge ausreichen, sie durch die Zeit der wegen steigenden Fallzahlen erneut verschärften Corona-Beschränkungen zu bringen. Für die Umfrage befragte Cedar Dean rund 230 Unternehmen des Gastgewerbes mit mehr als 2.000 Units. Demnach werden die hohen Mieten momentan als die höchste Bedrohung für das eigene Geschäft wahrgenommen.
Laut der Umfrage glauben 86 Prozent der in London ansässigen Betreiber, dass die Bedingungen ihrer neuen oder bestehenden Mietverträge nicht ausreichen, um die Krise zu bewältigen. Außerhalb der Hauptstadt ist diese Rate mit 77 Prozent leicht niedriger. Insgesamt 69 Prozent der Befragten gaben an, sie müssten eine Umstrukturierung oder Insolvenz in Betracht ziehen (73 % der in London ansässigen Betreiber, 63 % außerhalb der Hauptstadt). Nur 38 Prozent gaben an, dass sie mit der Mehrheit ihrer Vermieter neue Bedingungen aushandeln konnten.


Tom Kidd, Mitbegründer der Adventure Bar, die neun Standorte im Zentrum Londons hat, sagte: "Ich glaube nicht, dass sich die Menschen des Ausmaßes der Folgen, die noch kommen werden, voll bewusst sind. Bis zu 80 Prozent des Gastgewerbes befinden sich bei der Neuverhandlung von Mieten in einer ausweglosen Situation. Sollte das staatliche Räumungsverbot am 31. Dezember auslaufen, könnten bis zu 70 Prozent der Branche Anfang nächsten Jahres aus dem Geschäft sein. Die Unternehmen nutzen freiwillige Vereinbarungen, um die Vermieter zum Handeln zu zwingen. Die Regierung könnte eine Gesetzesreform in Bezug auf unzufriedenstellende Mietverträge in Betracht ziehen. Es gibt gute Argumente für Klauseln, die sowohl Betreibern als auch Vermietern die Möglichkeit geben, Verträge zu kündigen, die für beide Parteien nicht funktioniert haben, ohne gesamte Unternehmen zu Fall zu bringen. Wir stehen vor einer finanziellen Zeitbombe, warum also nicht alle Möglichkeiten in Betracht ziehen?"
Der Vorstandsvorsitzende von Cedar Dean, David Abramson, fügte hinzu: "Der Gewerbeimmobilienmarkt braucht eine komplette Neuausrichtung. Dies ist keine Frage von sechs bis zwölf Monaten".

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